Am Sonntag, den 11. September um 10 Uhr findet in der Evangelischen Kirche in Hagedorn ein musikalischer Gottesdienst im Rahmen der Jugendbegegnungsreise „Über die Mauer“ statt. Beim anschließenden Kirchenkaffee werden die Teilnehmer von ihrer Reise nach Palästina berichten.

Deutsche Teilnehmer beim Vorbereitungswochenende im Frühjahr. Foto: Bernd Höner

Organisiert vom Verein „Brass for Peace“, der Kindern und Jugendlichen im Westjordanland das Erlernen von Blechblasinstrumenten ermöglicht, reisten bei dem Austauschprojet dieses Jahr fünfzehn junge Blechbläser aus dem Kirchenkreis Herford im Sommer in die Westbank, um dort zwei Wochen mit palästinensischen Jugendlichen gemeinsam zu musizieren.

Nach einer gemeinsamen Probenwoche in Sebastia, einem kleinen Dorf in der Nähe von Nablus, wurden die deutschen Teilnehmer von den palästinensischen Familien rund um Bethlehem aufgenommen und konnten so die arabische Kultur und Gastfreundschaft kennenlernen. Neben gemeinsamen Konzerten standen Ausflüge zu religiösen, kulturellen und historischen Orten, wie die Geburtskirche in Bethlehem oder der Tempelberg in Jerusalem, auf dem Programm.

Unteranderem beim Besuch des „Tent of Nations“, einem zwischen israelischen Siedlungen gelegenen Weinberg einer palästinensischen Familie, erfuhren die Teilnehmer etwas über die schwierige politische Situation im Land, aber auch über eine friedliche Art und Weise damit umzugehen. 

Schon im Sommer 2015 fand der erste Teil der Begegnungsreise „Über die Mauer“ statt, bei dem die palästinensischen Jugendlichen in Deutschland zu Besuch waren. Mit dem Gottesdienst am 11. September endet das Nachbereitungstreffen der deutschen Teilnehmer. 

von Kathrin aus Deutschland

Der Freitag stand auch in den Familien zur freien Verfügung. Während sich die einen das Tote Meer angeschaut und eine Schlammpackung genossen haben, haben andere gefaulenzt oder einen Spaziergang durch das Nachbardorf gemacht oder das Hirtenfeld besucht. Nach einem flotten Kofferpacken und viel Arbeit in der Vorbereitung des BBQs ist es auch schon Nachmittag geworden und die ersten Musikfans trafen sich an der Schule in Beit Sahour zum Blasen.

Dank des Taxifahrers hatten wir auch nach den Salaten noch genügend Fleisch für alle. Mit viel Spaß und Lachen und netten Unterhaltungen verging die Zeit ziemlich schnell, bis Monika den Aufruf zum Aufräumen erteilte, dem alle folgten. Ein Abend, der viel zu schnell durch die Ankunft des Busses beendet wurde. Nun lagen sich alle in den Armen und so manche Träne wurde vergossen. Wir alle hoffen uns schon ganz bald gesund und munter wieder zu sehen.

Während die Palästinenser und einige Volontäre noch von draußen winken, saßen die deutschen Jugendlichen traurig im Bus. Eine Ruhe, die bewies, wie schön es für alle Beteiligten gewesen war. 

Der Busfahrer gab noch Instruktionen für die Überquerung der Checkpoints, wobei die Inspektion des schwer bewaffneten Soldaten schon noch einmal an die politische Situation erinnerte.

Pünktlich am Flughafen angekommen, konnten wir in den Stühlen chillen, die Koffer umpacken und mit den Handys daddeln.

Der Flug verlief problemlos und die Koffer waren erwartungsgemäß alle da. Die Bahn hat uns noch ein wenig gefordert, da die ICEs von Berlin nach Hannover ausgefallen waren. Aber Dank der super Gruppe haben alle mitgedacht, angepackt und geholfen.

In Hannover mussten wir uns dann auch schon von Fridtjof verabschieden. Nach ganz lieben Schlussworten und einem dicken Lob an die Gruppe, ging er alleine die Treppe hinab.

Kurze Zeit später war auch der Rest im Heimatort Herford. Wir wussten auch sofort, dass wir da waren, denn der Posaunenchor Hagedorn bereitete uns einen tollen Empfang. Dafür auch von dieser Stelle noch ein dickes Dankeschön.

Jetzt sind schon einige Tage vergangen. Der Schlaf ist nachgeholt, die Koffer ausgepackt und die Fotos gesichtet. 

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen im September! Und mit den Palästinensern....

Früh am Morgen wachten wir auf, um uns für den Ausflug zum Masaba-Kloster und zum Berg Herodium fertigzumachen. Wir trafen uns mit den anderen in Beit Sahour, wo uns der Bus abholte und brauchten ungefähr eine halbe Stunde, um Marsaba zu erreichen. Die Zeit im Bus genossen wir sehr, lachten, sangen und hörten Musik... Irgendwann kamen wir endlich an, doch der Bus konnte nicht bis zum Kloster fahren – die Kurven waren zu eng – und so mussten wir den letzten Weg zu Fuß gehen. Dort erklärte uns unser Guide viel über Marsaba und seine Geschichte. Wir machten einige Fotos und Videos und genossen den Ausblick auf das eindrückliche Gebäude, das Wadi und die dahinterliegende Wüste. Bald ging es zurück zum Bus und wir mussten in der prallen Sonne die Straße bergauf zurücklaufen. Das war ziemlich anstrengend, aber wir alle haben es mit vereinter Kraft geschafft! Wir fuhren weiter bis zum Herodium, wo wir viele Ruinen, Höhlen und alte Gemäuer besichtigten. Unser Guide erklärte uns, wann und warum Herodes dieses gigantische Bauwerk gebaut hatte und dass dieser sich dort begraben ließ. Ganz schön viele Informationen, die man sich merken sollte.

Das war der Vormittag, obwohl es sehr heiß war, wir viel in der Sonne laufen mussten und abends sogar noch ein Konzert in der lutherischen Kirche in Beit Sahour auf dem Plan stand, hatten wir eine tolle Zeit und viel Spaß.

von Nardine aus Palästina

Am Abend gab es noch ein Konzert in der Lutherischen Kirche in Beit Sahour. Ein Ausschnitt davon gibt es hier anzusehen und -hören:

 

Am Donnerstag hieß es für uns: Früh aufstehen! Nach einem leckeren und aufwändigen Frühstück in der Gastfamilie machten wir uns zum Manger Square in Bethlehem auf, um dort ein kleines Straßenkonzert zu geben. Shadin, Fadi und ich durften sogar jeweils ein Stück dirigieren, das wir vorher in Sebastya vorbereitet hatten. Auch wenn die Anzahl der Zuschauer eher überschaubar blieb, war es eine nette Erfahrung und eine gute Vorbereitung auf unseren Auftritt am Abend beim „Bet Lahem Live Festival“. Nach diesem kleinen Konzert hatten wir „freetime“ mit unseren Familien. Unsere Gastmutter hatte eine kurze Führung in einem interessanten Museum für uns gebucht, wo die Kultur und das Leben von Palästinensern früher veranschaulicht wurden. Außerdem zeigte sie uns historische und religiöse Orte, wie zum Beispiel eine Kapelle auf den Hirtenfeldern, von wo aus die Hirten mit ihren Schafen den Stern von Bethlehem gesehen haben sollen. Besonders beeindruckte mich eine Frau, die offensichtlich Muslimin war, und die in dieser christlichen Kapelle betete. Unsere Gastmutter erzählte, dass das - besonders in Beit Sahour - gar nicht so ungewöhnlich sei, da dort Christen und Muslime miteinander und nicht nur nebeneinander leben.

Am Nachmittag war es draußen wieder so extrem heiß, dass wir mit unserer Gastfamilie im Wohnzimmer mit Klimaanlage saßen und uns ausruhten. Abends war dann der Auftritt, wofür wir uns vorher in der Weihnachtskirche in Bethlehem trafen und dann gemeinsam zur Bühne gingen. Gar nicht mal so einfach, denn die Stadt war voll von Menschen, die anlässlich des Festivals durch die Straßen schlenderten und sich die verschiedenen Stände und Attraktionen anschauten. Alle paar Sekunden hielt einer der Palästinenser an, um irgendwelche Freunde oder Verwandten zu begrüßen und man hatte echt den Eindruck, die Stadt wäre nur ein kleines Dorf. Dann auf der großen Freilichtbühne zu spielen war nochmal eine ganz andere Erfahrung, als unsere vorherigen Konzerte. Es waren viel mehr Zuhörer da, außerdem war der Sound total anders, als beim Einspielen zuvor in der Kirche. Unseren Auftritt meisterten wir aber souverän und waren am Ende zufrieden. Danach hatten wir noch Zeit, auf das Festival zu gehen und durch die Stadt zu spazieren. Am Ende gingen wir in ein Restaurant und aßen so etwas ähnliches wie Döner, bevor uns unsere Gastfamilien abholten.

Von Kathrin aus Deutschland

Nach dem Konzert in Sebastiya feierten Schüler und Mitarbeiter kräftig. Ein paar Jugendliche bekamen selbstredend wenig oder gar keinen Schlaf. Beim Frühstück war es dann dementsprechend still. Jeder war irgendwie müde und ein wenig kraftlos. 

Aber als wir wieder zusammen spielten, kam ein bisschen die Kraft zurück. Für kleine Standmusiken haben wir in unserem Über die Mauer-Notenheft ein paar Stücke, die nicht wirklich in ein klassisches Konzertprogramm passen. Die Volontäre gaben "der nächsten Generation" eine Chance zu dirigieren und Proben zu leiten. Ganz erstaunlich zu sehen war, dass ein paar Jugendliche nicht nur dirigiert, sondern auch mit der Gruppe musikalisch gearbeitet haben! Bravo!

Nach dem Mittagessen haben wir dann Sebastiya verlassen - wir hatten fünf sehr schöne Tage hier in diesem alten, umfunktionierten "Palast". Wir konnten jederzeit alle Räume nutzen, wie wir wollten und hatten gleichzeitig die Ruhe, ganz konzentriert zu arbeiten. Die Atmosphäre war klasse! Danke an alle, die diesen erfolgreichen Workshop möglich gemacht haben. 

Wieder in Bethlehem angekommen, verteilten sich die Schüler auf die Gastfamilien. Wir sind gespannt, was sie dort erwartet und was sie erzählen werden. 

Am Sonntag fand in der Erlöserkirche in Jerusalem der sonntägliche Gottesdienst statt. Wir von Über die Mauer durften die Musik liefern - teilweise zumindest. Denn neben den deutschen Teilnehmern hatten nur vier Palästinenser eine Erlaubnis bekommen um nach Jerusalem reisen zu dürfen. Die restlichen Brass for Peace-Schüler spielten gleichzeitig mit Carolin in der Weihnachtskirche in Bethlehem. 

Nach dem Gottesdienst in Jerusalem spielten wir noch ein kleines Konzert im Kreuzgang der Erlöserkirche. Obwohl sich die Menschen unterhielten, gab es am Ende tosenden Beifall! Nach einer kurzen Pause gab uns einer der Volontäre der Erlöserkirche eine kleine Führung durch die Altstadt Jerusalems. Wir begannen mit einer tollen Aussicht vom Turm der Kirche und erfuhren allerlei über die verschiedenen Viertel der Altstadt, jüdische Siedlungen im christilichen Viertel und die Stadtmauer. 

In Bethlehem wurden wir wie immer warm und herzlich willkommen geheißen. Wir haben es genossen im Gottesdienst zu spielen und auch für die Gottesdienstbesucher war es - so sagten sie - ein Genuss. Der Pastor bezog Carolin in sein Fürbitten-Gebet ein, denn sie wird Bethlehem in ein paar Wochen nach ihrem Freiwilligen-Jahr wieder verlassen. Ins Gebet aufgenommen zu werden war eine große Überraschung und Ehre für sie, sagte sie später.

Wir sind gespannt, wie Über die Mauer in den nächsten Tagen weiterverlaufen wird. Es steht noch einiges auf dem Programm!